Die AstroMedia Idee 

Eine Entstehungsgeschichte

 

Enthusiasmus und Glück – das sind, laut eigener Aussage, die wichtigsten Begleiter von Klaus Hünig auf dem Weg zum AstroMedia Verlag. Mitte der 70er Jahre, Hünig war damals noch Lehrer an der Waldorfschule in Würzburg, entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau Renate „Das Würzburg-Spiel“. Statt durch platten Frontalunterricht die Geschichte der Stadt Würzburg durchzunehmen, sollten seine Schüler ihre Heimatstadt selbst spielerisch erkunden, indem sie sich von einer Sehenswürdigkeit zur anderen würfeln. Ein Erfolg, den Hünig zum Anlass nahm, das Spiel über den Kreis der Schule hinaus zu verkaufen. Das war die Geburtsstunde der Würzburgspiel-Gesellschaft, der Vorgängerin des heutigen AstroMedia Verlags.
Seinen Unterricht interessanter und für seine Schüler greifbarer zu gestalten, trieb Hünig viele Jahre weiter an. Anfang der 80er Jahre folgte die Entwicklung des Großen Sternenhimmels, einer kuppelförmigen, verzerrungsarmen Sternkarte, mit dem die eigentliche AstroMedia-Erfolgsgeschichte begann. Der Bausatz wurde zu Gunsten der noch jungen Würzburger Waldorfschule verkauft, und um seinen Vertrieb zu verbreitern, schrieb Klaus Hünig zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften an. Unter ihnen auch: Der Spiegel. Dieser griff die Geschichte auf und verhalf der Würzburgspiel-Gesellschaft zu ihrem ersten Aufschwung. „Da haben die Leute zum ersten Mal wie verrückt bestellt“, erinnert sich Klaus Hünig, der sich dank der Meldung im Spiegel über mehrere tausend Bestellungen freuen konnte.

Auf den Großen Sternenhimmel folgten eine erste Sonnenuhr und im Laufe der Jahre noch viele weitere Kartonbausätze – zunächst aus dem Bereich Astronomie, später kamen Mathematik und Physik, insbesondere auch Optik hinzu. Da war es nur logisch, dass sich das kleine Unternehmen Mitte der 80er Jahre in AstroMedia Verlag umbenannte. 1995 schließlich kam der Eintrag ins Markenregister.

1997 wechselte Klaus Hünig vom Lehrerdasein ganz in seinen Verlag über, entwickelte in den folgenden Jahren zahlreiche Bausätze und erweiterte den Direktvertrieb. Schon früh gehörte AstroMedia zu den Unternehmen, die ihren Kunden auch einen Onlineshop anboten.

Den wirtschaftlichen Durchbruch feierte Klaus Hünig mit der Entwicklung einer Sonnensichtbrille im Vorfeld der totalen Sonnenfinsterns in Deutschland im Jahr 1999. Das, was er selbst „ein Riesenglück“ nennt, bezeichnen andere wohl als den richtigen Riecher. Die Nachfrage war gewaltig: 17 Millionen Brillen verkauften er und mehrere Lizenznehmer im Vorfeld des 11. August 1999. Das Ereignis katapultiert den kleinen Verlag in eine ganz neue Gewichtsklasse.
„Es war schon eine besondere Herausforderung, die Zeit nach solch einem Erfolg sinnvoll zu nutzen“, sagt Hünig im Rückblick. Um mehr Zeit für die Erweiterung des Angebots, insbesondere die Entwicklung neuer Artikel zu finden, übertrug er Verlag und Vertrieb an den SunWatch Verlag, dessen Inhaber Nils Rhode sich fortan nicht nur um die grafische Gestaltung der Produkte, sondern auch um Händler und Endkunden kümmerte.
Das AstroMedia-Programm entwickelte sich stetig weiter: Die Produktpalette umfasst inzwischen nicht nur Astro-Materialien und Astronomie zum Anfassen, sondern auch die beliebten Reihen Bastelspaß der Wissen schafft und Material für Selbermacher. Heute ist AstroMedia der größte Anbieter von voll funktionstüchtigen Kartonbausätzen für wissenschaftliche und technische Instrumente und Apparate.

Inzwischen ist Klaus Hünig zwar im Rentenalter, denkt aber noch lange nicht ans Aufhören. Eine erneute Umstrukturierung von Verlag und Vertrieb 2018/2019 erlaubt ihm jetzt wieder die volle Konzentration auf seine Erfindungen und Entwicklungen. Seit 2019 lenkt Jürgen Lehmann als Geschäftsführer der AstroMedia GmbH die Geschicke des Verlags und kümmert sich mit seinem Team in Waltrop um Einkauf, Marketing und Vertrieb der AstroMedia-Produkte.

 

Klaus Hünig

Erfinder & Entwickler

 

Klaus Hünig, wie wird man Erfinder?

Ich bezeichne mich lieber als Entwickler. Erfinder bin ich nur so viel wie jeder andere auch, der sich etwas Neues ausdenkt, z.B. ein Kochrezept oder einen handwerklichen Trick. Ich hatte schon immer diese Neigung, Dinge verstehen zu wollen und herumzutüfteln. Ein Beispiel: Meine Großeltern haben mir als Kind einen Wecker geschenkt. Statt ihn nur zu benutzen, habe ich ihn zerlegt und anschließend wieder zusammengebaut.
Diesen Wissensdurst und das Interesse an Naturwissenschaften habe ich wohl in die Wiege gelegt bekommen. Mein Vater ist Naturwissenschaftler, und beinahe wäre auch ich einer geworden. Ich hatte mich an der Uni schon für Mathe und Physik eingeschrieben. Als ich dann am Schalter stand, um mein Studienbuch abzuholen, habe ich mich kurzfristig umentschieden. Der Beamte hat Mathe und Physik ganz akkurat mit einem Lineal durchgestrichen und Englisch und Französisch darübergeschrieben. Das habe ich dann auch gerne studiert und später unterrichtet, aber die Neigung zur Naturwissenschaft ist mir geblieben.

 

Was war Ihre erste Entwicklung?

Ich war 21 Jahre lang Lehrer an der Würzburger Waldorfschule. Diese Zeit hat mich erfinderisch gemacht. Mein erstes großes Projekt habe ich zusammen mit meiner Frau Renate umgesetzt: Ich habe etwas für den Heimatkundeunterricht meiner 3. Klasse gebraucht, und da haben wir gemeinsam ein Spiel auf Grundlage des Würzburger Stadtplans entwickelt, bei dem man sich von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten würfeln kann. So konnten meine Schüler spielerisch ihre Heimatstadt kennenlernen. Wir haben das Spiel drucken lassen und dann zugunsten der Schule verkauft.

 

Wie kam Ihnen die Idee zu AstroMedia?

Auf dem Lehrplan meiner 7. Klasse stand Himmelskunde. Damals hatte ich nur wenig Bezug zur Astronomie. Zur Vorbereitung hatte ich mir eine der üblichen drehbaren Sternkarten gekauft und dann festgestellt, dass ich damit fast nichts finden konnte. Meinen Schülern ging es kaum besser, und mein Unterricht diesbezüglich war – gelinde gesagt – nicht so dolle. Ich habe daher darüber nachgedacht, wie ich das besser machen kann. So kam die Idee zu einer kuppelförmigen Sternkarte. Ich habe erst die Papierkuppel gebastelt und dann jedes Segment Schritt für Schritt mit Hilfe eines Sternenatlasses bemalt, den ich mir von einem Freund geliehen hatte. Auf einmal war es so viel leichter, die Sternbilder zu finden! Der Große Sternenhimmel war dann mein erster astronomischer Bausatz und zugleich die Geburtsstunde des AstroMedia Verlags, auch wenn er zunächst nicht so hieß.

 

Was empfinden Sie als Ihre größte/beste Erfindung?

Rein äußerlich betrachtet war die Entwicklung einer Sonnensichtbrille aus Karton zur Sonnenfinsternis 1999 sicherlich am erfolgreichsten. Doch bereiten mir alle Projekte gleichermaßen Spaß und Freude. Jeder Bausatz ist für mich ein hochinteressanter Einstieg in eine neue Materie, und ich mache die Entwicklung immer zunächst für mich selbst, erst dann für die Veröffentlichung. Einer meiner Lieblingsbausätze ist das Tisch-Planetarium. Die Armillarsphäre – so der wissenschaftliche Name – ist völlig zu Unrecht als Unterrichtsmittel arg in Vergessenheit geraten, dabei ist sie das beste Lehrmittel für eine auf den Beobachter bezogene Himmelskunde.

 

Was treibt Sie in Ihrem Schaffensprozess an?

Rudolf Steiner hat sinngemäß gesagt, dass man eigentlich nicht in eine Straßenbahn einsteigen sollte, wenn man nicht weiß, wie sie funktioniert. Diese Maxime lässt sich beliebig auf alle Technologien übertragen. Ich möchte wichtige Stationen der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung erlebbar und verstehbar machen. Dazu gehören für mich unter anderen das Teleskop, das Mikroskop, der Stirlingmotor, die Dampfmaschine und das Grammophon.
Wenn etwas meine Neugier, meine Fantasie reizt, dann gehe ich davon aus, dass es anderen Menschen auch so gehen könnte. Natürlich bediene ich hier genauso mein eigenes Kind im Manne. Die Reihe „Astro-Materialien“ habe ich wiederum im Hinblick auf Schulklassen entwickelt, die preisgünstiges und anschauliches Unterrichtsmaterial brauchen.

 

Wie kann man sich Ihren Schaffensprozess vorstellen?

Ich stöbere gerne im Internet, studiere Bücher zur Wissenschaftsgeschichte oder blättere mich durch Kataloge, die ausgefallene Dinge anbieten. Das regt mich an. Oder ich finde Überraschungen in Museen. Wenn mir etwas über den Weg läuft, das ich spannend finde, mache ich mir eine Notiz, oft auch schon mit einer Umsetzungsidee für AstroMedia.
Ich konstruiere meine Projekte zunächst nur im Kopf, schaue sie mir von allen Seiten an und versuche Problemstellen zu definieren und Lösungen zu finden. Danach beginnt die Umsetzung mit Stift und Papier. Wenn die Grobfassung steht, setze ich mich an den Rechner, wo ich dann alles sehr genau zeichne. Schließlich stelle ich mit einem Schneideplotter Prototypen aus genau dem Karton her, den wir auch für unsere Produkte nutzen. So teste ich die Bastelfreundlichkeit und finde mögliche Verbesserungen.
Zum Schluss muss das Produkt noch den Test durch meinen Kompagnon bestehen. Wir entscheiden dann gemeinsam, welche Artikel wir realisieren und ins Programm aufnehmen.

 

Welche Ideen beschäftigen Sie derzeit?

Ganz frisch auf dem Schreibtisch meines Partners gelandet ist „Einsteins Kurzschlafwecker“. Ich habe gelesen, dass Einstein es sich zum Nachdenken gerne in seinem Ohrensessel gemütlich gemacht hat, um die Phase kurz vor dem Einschlafen zu nutzen, wenn man gedanklich schon loslässt, aber noch nicht fest schläft. So kam er auf frische Ideen. Dazu nahm er einen Löffel oder Schlüsselbund in die Hand, damit er von dessen klapperndem Herunterfallen aufwacht, sobald der eigentliche Schlaf einsetzt. Dieses kleine Detail aus dem Leben des großen Physikgenies fand ich witzig, und ich habe mir überlegt, was man daraus machen könnte. Jetzt haben wir ein Set, bestehend aus einem Löffel und einer Untertasse aus Metall, das wir schon bald in unser Sortiment aufnehmen werden. Das fällt für mich in die Kategorie „Geschenke mit Augenzwinkern“.
Ansonsten beschäftige ich mich gerade mit dem wohl berühmtesten Gedankenexperiment aus der Quantenphysik: Schrödingers Katze. Quantenmechanik und Kartonbausatz: Das scheinbar Unvereinbare zu verbinden – das wäre doch was! Und ich hätte da auch schon so eine Idee, wie das gehen könnte.